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Samstag, 20.03.2004
Meine achtjährige Tochter will mit dem Papa joggen. Auch wenn ich keinen Klotz am Bein haben will, nehme ich das Kind mit. Sport ist ja schließlich gesund. Nach 300 oder 400 Metern erkläre ich ihr, dass sie sich nicht überanstrengen soll. Sie will weiter rennen. Ich rede ihr aber ins Gewissen und erkläre ihr, dass dies nicht gesund ist (vor allem für mich als Vorbild, da ich völlig fertig bin). Also gehen wir dann bequem, bevor wir später wieder rennen. Fortan jogge ich nicht mehr mit meinem Nachwuchs. Blamieren kann ich mich noch oft genug.
Freitag, 09.04.2004
Die Fastenzeit ist rum, doch der Bauch noch immer nicht weg. Nicht einmal 5 Kilo habe ich mir abgehungert. Jetzt laufe ich täglich etwas. Heute bin ich nach 3 Minuten zurück - das reicht für den Anfang. Mein nächstes Ziel sind die 10 Kilo. Frühstücken fällt nun komplett weg, Abendessen meistens auch. Als Alternative esse ich Backoblaten. Wer 5 bis 10 Packungen pro Tag isst und ordentlich sauren Sprudel dazu trinkt, der hat ein gutes Völlegefühl.
Mittwoch, 07.07.2004 13:52
Montag hat Susanne 14 Bananen gekauft - gestern Abend waren alle weg. Auch meine Oblaten sind alle. Das Gewicht liegt nun bei rund 12,5 Kilo im Minus. Die zweite Ladung Spaghetti zu Mittag esse ich ohne Soße. Das ist gut für das Gewissen.
Samstag, 10.07.2004 14:17
Heute musste ich mich mehr plagen als sonst. Ein Spiegelei, zwei Brezeln, ein Brötchen, ein Apfel und eine Banane sowie ein halber Liter Mineralwasser und drei Pott Kaffee sind einfach zu viel Ballast.
Jetzt schwitze ich wie ein Ochse.
Nach dem Duschen wird ein Stündchen gearbeitet und dann geht es zum Grillfest an die Grundschule.
Dienstag, 13.07.2004 12:39
Die ganzen Zuschriften haben mich übrigens dazu bewogen, nicht mehr nur einfach vor mich hin zu laufen. Ich habe mir online das Einsteigerheft von Runners World bestellt (7,95 inklusive Versand). Schon komisch: bis vor wenigen Tagen wusste ich nicht einmal, dass es zu diesem Thema ein Magazin gibt. Wie man wohl mit Lauf-Themen eine ganze Zeitschrift füllt?
Ich habe nur mal auf die Schnelle drin geblättert. Das Titelbild interessiert mich jedenfalls nicht ("Der richtige Sport-BH", "Laufen nach der Schwangerschaft" und "Laufschuhe für Frauen").
Auf der nächsten Seite ist eine laufende Frau abgebildet, die läuft, weil ihr Hund zu dick ist - eine doppelseitige Puma-Werbung. Ich blättere weiter ins Inhaltsverzeichnis: 6 Frauen und 2 Männer sind dort abgebildet. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, ich halte eine Brigitte oder eine andere Frauenzeitschrift in der Hand.
Dann kommt wieder eine doppelseitige Werbung. Und nun sind endlich auch Männer abgelichtet - unter dem Titel "Laufen bis ins hohe Alter"...
Die Story "Rauchen und Laufen" ist wieder mit einer Frau bebildert.
Wer umblättert, stößt auf Erdinger Hefeweizen.
Da ich weder Frau, noch Raucher noch übermäßig alt bin, finde ich endlich ein Thema, das mich interessiert. Leider handelt es sich nur um eine Werbeseite für das alkoholfreie Erdinger Hefeweizen.
Ich werde das Heft ins Klo legen und bei meiner nächsten Sitzung weiter anschauen.
Dienstag, 20.07.2004 13:58
Je öfters ich laufe, desto brauner werden meine Beine und Hände. Besonders die Oberarme (mittlerweile auch dünn und schlaff!) sehen aus wie aus der Wurstküche.
Nun habe ich mir ein neues Shirt zugelegt. Eines ohne Ärmel - also fast schon ein Muskel-Shirt. So etwas hätte ich früher in 100 Jahren nicht angezogen.
Ich sehe nun immer mehr so aus wie die Leute, über die mich noch vor wenigen Monaten lustig gemacht habe.
Der Abschuss sind für mich Leute, die mit Walkman-Stöpseln im Ohr durchs Gelände joggen. Oder anders herum gefragt: Wie lange muss ich noch sporteln, bis ich auch so seltsam durch die Gegend renne.
Mittwoch, 11.08.2004 11:47
Gestern habe ich es mir bei einem Geburtstag (Grüße an Berthold) so richtig gut gehen lassen. Heute zeigt die Waage halt wieder 74,8 Kilo an. Aber macht nix. Schließlich muss ich ja meinen Körper von dem Halbmarathon in exakt vier Wochen kräftigen. Ich habe dies gestern gemacht mit: Vier Hefe, zwei Eierlikörtorten, Fleisch, Nudelsalat mit Majonäse...
Samstag, 04.09. 09:27
Danke für die Blumen von Snapperhead83 im Gästebuch – natürlich
habe ich mich optisch deutlich verändert. Wobei ich damit eine
meiner Thesen kippen muss: Jüngere Führungskräfte in Firmen
sind meist drahtig und schlank (sonst werden sie nicht eingestellt)
- Unternehmer selbst sind meist übergewichtig. Daher vertrat ich still
und heimlich die Meinung, dass ich eigentlich in jedem Unternehmen
fehl am Platze war. Bloß durfte ich das damals ja nicht laut sagen.
Nun bin ich seit geraumer Zeit selbstständig und neuerdings auf dem
besten Weg schlank und sportlich zu werden. Ich hoffe nicht, dass
dies bedeutet, dass nun meine Geschäftstätigkeiten floppen und ich
mir wieder eine abhängige Beschäftigung suchen muss. Denn dann
würde mir ja wieder die freie Zeiteinteilung zum Laufen fehlen und
ich würde wieder zunehmen. Und wenn ich wieder fett bin, müsste
ich mich wieder selbstständig machen. Ein Teufelskreis. Aber da ich
eigentlich schon bisher in keine Schablone gepasst habe, werde ich
versuchen, zur Minderheit der schlanken Unternehmer zu gehören.
Schließlich gibt es ja auch prominente Führungskräfte, die nicht sehr
schlank und trotzdem angestellt sind. Mir fällt da auf Anhieb Fakten-
Fakten-Fakten Markwort ein. Harald Schmidt war sein eigener
Chef und schlank; er hat freiwillig Tschüss gesagt. Warum? Weil
er vielleicht einsah, dass Unternehmer dicker sind? Hat er vielleicht
gar einen Zunehm-Urlaub eingelegt? Und es gibt auch bekannte
Übergewichtige, die es als Angestellte derbrezelt hat: Helmut Kohl
hat seinen Job verloren, auch Reiner Calmund musste gehen…
Das beste Beispiel: Außenminister Fischer. Er wurde Minister und
hat abgenommen. Vielleicht kennt er meine These von den dünnen
Angestellten und versuchte so ins Bild zu passen. Seit einiger Zeit
nimmt Fischer wieder zu – bereitet er sich auf eine selbstständige Tätigkeit vor?
Donnerstag, 09.09.2004 12:46
Ich bin schon richtig gespannt auf den Halbmarathon. Im vergangenen Jahr habe ich mich ja erstmals überhaupt in meinem Leben an einer Laufveranstaltung, dem 10-km-Lauf, beteiligt. Da ich ohne Training mit ordentlich Übergewicht losgelaufen bin, war ich natürlich recht schnell am Ende.
„Wie hast du das durchgestanden?“, werde ich immer wieder gefragt. Denn 1:05 sind für meine damalige miese Konstitution doch keine schlechte Zeit.
Die Antwort ist ganz einfach: ich habe mich immer wieder an eine Läuferin drangehängt. Natürlich nur sprichwörtlich. Vor allem die letzten 4 Kilometer musste ich mich so von Läuferin zu Läuferin durchhangeln.
Denn nach kurzer Zeit konnte ich schon nicht mehr mithalten. Dann bin ich langsamer gelaufen oder marschiert und habe gewartet, bis ich überholt werde. Und habe dann erneut versucht, dran zu bleiben.
Und für die nächste Bemerkung werde ich sicherlich böse Zuschriften bekommen, aber so ist es nun mal gewesen: ich habe den Damen aufs Hinterteil geschaut und mich auf das Muskelspiel in Po und Oberschenkeln konzentriert. Damit war ich abgelenkt. Dachte nicht mehr ständig ans Aufgeben oder an die Schmerzen. Mittlerweile weiß ich von Bekannten, die laufen, dass diese es ähnlich machen. Aber keiner redet drüber aus Angst, als frauenfeindlich dazustehen. Doch ich glaube, dass auch Frauen bei einem Lauf nicht mit Scheuklappen durch die Gegend laufen.
Beim Testlauf zum ebm-Marathon hatte ich übrigens den Eindruck, dass die Halbmarathonläuferinnen weitgehend durchtrainierter aussehen als die 10 km-Läuferinnen vom Vorjahr. Was ja auch logisch ist. Und jetzt fällt der Macho mit der Tür ins Haus: Die weniger durchtrainierten Läuferinnen sind als Zugpferd und Blickfang (Backside) geeigneter.
Trotzdem bleibe ich beim Vorsatz, am Samstag den Halbmarathon zu laufen. Und warte nun auf Beschimpfungsmails („sexistischer Sack“), anonyme Zuschriften von Männern („es stimmt“) und hoffe (auch im Hinblick auf die Gleichberechtigung) auf Mails von Frauen, die mir bestätigen, dass es bei Laufveranstaltungen auch Männer gibt, die einen längeren Blick wert sind.
... und so weiter. Es ist kein Lehrbuch für gesunde Ernährung, keine Trainingsfibel für Sportler. Es ist das Tagebuch eines übergewichtigen Otto Normalbürgers. Mit allen Höhen und Tiefen. Mittlerweile hat Rainer Grill schon über 17 Kilo abgenommen - und läuft immer noch.
Das Buch (Taschenbuch, Softcover) hat 92 Seiten und kostet 4,90 Euro plus 1,20 Euro Versand, also 6,10 Euro inkl. 7 % deutscher Mehrwertsteuer. Bestellungen sind zu richten an Rasu Druck & Medien, Hohenlohe Str. 59, D-74676 Niedernhall.
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